Am Rande des Dschungels
ESA
Europas Ariane-Raketen starten in Südamerika, genauer in Kourou, einem Ort in Französisch-Guayana – direkt am Rande des Urwalds. Wenn man oben auf der Spitze der Startrampe steht, sieht man über die endlosen Baumkronen hinweg, während man die Schreie der wilden Tiere hört. Die Temperaturen sind tropisch, dazu kommt in der Regenzeit mindestens einmal täglich ein kräftiger Regenguss, bevor dann wieder die Sonne heiß vom Himmel scheint. Nur ein paar Kilometer entfernt ist die Küste, vor der drei kleine Inseln liegen: die Iles du Salut. Die bekannteste von ihnen ist die Teufelsinsel: Früher war hier ein berüchtigtes Lager für französische Strafgefangene. Die eingefallenen Zellen, die mittlerweile von Pflanzen überwuchert werden, kann man noch heute besichtigen.

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Mitten in dieser tropischen Wildnis also liegt das Hightech-Gelände mit jenen angenehm gekühlten „Cleanrooms“, in denen die Satelliten auf den Start vorbereitet werden: Kein Stäubchen darf hier auf die empfindlichen Geräte kommen, nur mit Plastik-Überschuhen und Haarkappen dürfen die Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Technikerinnen und Techniker die Räume betreten. Warum aber hat sich Europa für Raketenstarts überhaupt diesen entlegenen Ort im Dschungel ausgesucht?
Die Antwort hat mit der Rotation der Erde zu tun, also mit der Tatsache, dass sich unser Planet um seine eigene Achse dreht: Je näher ein Startplatz dem Äquator liegt, desto mehr Schwung gibt die Erdrotation der Rakete mit. Denn am Äquator dreht sich unser Planet logischerweise schneller als an anderen Orten weiter im Norden oder Süden. Daher ist Französisch-Guayana, das zu Frankreich gehört, der ideale Startplatz für die europäische Raumfahrt.

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