Die Erde – eine Kartoffel?
GFZ (A. Helm)
Satelliten beobachten nicht nur die Erdoberfläche. Sie vermessen auch unseren Planeten. Und zwar nicht nur die Höhe der Berge oder den Umfang am Äquator. Sondern sie untersuchen, wo sich mal mehr oder weniger Masse unter der Oberfläche verbirgt. Was das bedeutet und was es mit einer Kartoffel zu tun hat, erfahrt ihr hier …
Die Erde ist keine Kugel, sondern eine Kartoffel. Zu diesem Ergebnis könnte man jedenfalls kommen, wenn man sich das oben gezeigte Bild ansieht. Tatsächlich wird es auch „Potsdamer Kartoffel“ genannt, denn es stammt vom GeoForschungsZentrum – kurz GFZ – in Potsdam. So sieht unser Planet natürlich nicht wirklich aus. Was die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber deutlich machen wollten, als sie sich diese stark übertriebene Darstellung ausgedacht haben: Es geht um die Anziehungskraft, die die Erde ausübt. Und die ist – wenn man es ganz genau nimmt – nicht überall gleich stark. Da gibt es kleine Abweichungen. Sie entstehen, weil sich die Materie unter der Erdoberfläche hier und da anders zusammensetzt: Mal ist da schweres und dichtes Gestein im Boden, mal leichter und lockerer Sand. Das bedeutet: Die Masse der Erde ist ungleich verteilt. Und da, wo mehr Masse ist, wirkt auch die Anziehungskraft stärker. In der Forschung wird das übrigens „Schwerefeld-Anomalie“ genannt.
Meere mit Beulen und Dellen
Auch die Wassermassen der Ozeane werden von der Schwerkraft der Erde angezogen. Und daher weist die Meeresoberfläche, die uns ja eigentlich recht glatt erscheint, bei genauerer Vermessung „Berge“ und „Täler“ auf. Das soll heißen: Da, wo das Wasser stärker angezogen wird, entstehen leichte Dellen nach unten, und an anderen Stellen bilden die Ozeane kleine Beulen nach außen – was nichts mit Ebbe und Flut zu tun hat. Schiffe fahren also manchmal leicht bergauf und bergab – ohne dass das jemand bemerkt, der auf einem Schiff die Weltmeere überquert.
Aber wie finden Satelliten überhaupt heraus, wo die Anziehungskraft stärker oder schwächer wirkt? Ganz einfach: Das verrät die Flugbahn des Satelliten, genauer seine Höhe über der Erde. Wird er stark angezogen, fliegt er etwas niedriger. Wird er etwas weniger stark angezogen, ist er einen Tick höher unterwegs. Man könnte also sagen, dass Satelliten quasi „Achterbahn“ fahren und so zeigen können, wie die Erde unterhalb der Oberfläche beschaffen ist.