Pioniere der Luftfahrt

Fliegen ist ein uralter Traum der Menschheit. Und es gab viele Pioniere, die versucht haben ihn zu verwirklichen. Hier lernst du einige Menschen kennen, die mit ihrem Mut und Einfallsreichtum Geschichte geschrieben haben.

Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci war – nein, kein Luftfahrt-Pionier. Schließlich lebte er um das Jahr 1500 herum und Flugzeuge wurden erst viele hundert Jahre später erfunden. Aber er war ein Mann, der offensichtlich seiner Zeit weit voraus war. Er war nicht nur Maler – die berühmte Mona Lisa stammt bekanntlich von ihm – und Bildhauer und Architekt und vieles mehr, sondern auch Wissenschaftler und Ingenieur: Er studierte den menschlichen Körper, entwarf Maschinen – und er zeichnete auch Fluggeräte. Seine Skizzen zeigen Apparate, die wie Hubschrauber aussehen. Wenn es also um den Traum vom Fliegen geht, gehört Leonardo ganz oben auf die Liste der Menschen, die ihn geträumt haben …

Die Brüder Montgolfier

Schon im Jahre 1783 erhoben sich die ersten Menschen in die Lüfte – und zwar mit einem Heißluftballon. Erfunden hatten ihn die französischen Brüder Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier. Sie hatten eine Ballon-Hülle konstruiert und darunter ein Feuer entzündet. So nutzen sie die Tatsache, dass heiße Luft nach oben aufsteigt – und mit ihr der Ballon. Dieses Prinzip wird bis heute bei Ballonfahrten eingesetzt. Übrigens: Bevor Menschen zu den ersten längeren Flügen aufbrachen, testete man angeblich erst einmal, wie Tieren die Höhenluft bekam. Denn noch wusste ja niemand, ob man einen solchen Flug überleben würde. So kam es, dass Schafe und Hühner zu den ersten Lebewesen gehören, die sich in die Lüfte erhoben.

Der Schneider von Ulm

Im Jahr 1811 wagte ein Mann in Deutschland, genauer in Ulm, das damals Unvorstellbare: Er versuchte zu fliegen. Und zwar nicht mit einem Ballon, sondern wie ein Vogel mit Flügeln. Eigentlich war er gelernter Schneider – und deshalb wurde Albrecht-Ludwig Berblinger auch als der „Schneider von Ulm“ bekannt. Viele belächelten und verspotteten ihn, doch der König wollte sehen, was es mit diesem seltsamen Erfinder und seinem ebenso seltsamen Flugapparat auf sich hatte: Und so stand Berblinger eines Tages – von vielen Schaulustigen beobachtet – mit seinem Hängegleiter am Ufer der Donau und versuchte, über den Fluss zu fliegen. Doch ungünstige Winde führten zu einem jähen Absturz – und für viele Jahre vergaß die Menschheit den Traum vom Fliegen.

Otto Lilienthal

Er gilt als der wichtigste Luftfahrt-Pionier der Geschichte: Otto Lilienthal. 1848 wurde er in Anklam im heutigen Mecklenburg-Vorpommern geboren. Er beobachtete den Vogelflug, studierte und experimentierte – und schließlich unternahm er mit einem selbstgebauten Gleiter aus Stoff und Holz die ersten Flugversuche. 1891 machte er so in Berlin und Umgebung die ersten „Hüpfer“: Von kleineren Hängen aus segelte er erst 20 Meter weit, dann etwas weiter. Irgendwann genügte ihm das nicht mehr. Er fuhr – mit seinem Fluggerät im Gepäck – per Bahn ins Havelland, rund 100 Kilometer westlich von Berlin. Ganz flach ist hier die Gegend – bis auf ein paar Hügel am Rande des kleinen Ortes Stölln, die da aus dem platten Land emporragen. Mit einigen Helfern schleppte Lilienthal seine Apparatur den Berg hinauf, baute sie zusammen – und stürzte sich mutig in die Tiefe: Er flog mehrere hundert Meter weit – und das in den folgenden Jahren viele Male. Immer mehr verbesserte er seinen Hängegleiter und schrieb wissenschaftliche und technische Abhandlungen über das Fliegen. Am 9. August 1896 erwischte ihn eine Windböe: Er stürzte ab und starb an seinen Verletzungen.

Brüder Wright

Die Brüder Wilbur und Orville Wright aus Amerika hatten von Lilienthals erfolgreichen Flügen gehört. Sie bewunderten ihn, fanden aber auch heraus, was man noch verbessern konnte. Sie entwickelten – ungefähr um das Jahr 1900 herum – Flugzeuge, die mehr waren als einfache Gleiter: Die Brüder Wright erfanden Höhen- und Seitenruder, mit denen sich Flugzeuge lenken ließen. Und sie rüsteten ihre Doppeldecker mit Motoren aus, so dass sie mit Propellern weite Strecken von 100 Kilometer und mehr zurücklegen konnten. Schließlich gründeten sie eine Firma und bauten Flugzeuge in Serie. Es war der Beginn der modernen Luftfahrt.

Ferdinand Graf von Zeppelin

Warum heißen Zeppeline eigentlich Zeppeline? Die Antwort ist recht einfach: Weil ein Herr Zeppelin sie erfunden hat. Der Herr war adliger Herkunft und hieß Ferdinand Graf von Zeppelin. Vom Prinzip her handelt es sich bei Zeppelinen gewissermaßen um lenkbare Ballons. Mit dem Unterschied, dass nicht heiße Luft, sondern ein leichtes Gas – erst Wasserstoff, später Helium – im Inneren der Hülle dafür sorgt, dass das Luftschiff aufsteigt. Und natürlich waren die Zeppeline um vieles größer und leistungsfähiger als jeder Ballon: Weit über 100 Meter lang, später sogar noch viel länger, konnten sie in ihren Kabinen viele Passagiere oder andere Lasten über riesige Entfernungen transportieren. Im Jahre 1900 begann ihre Erfolgsgeschichte mit einem ersten Flug über dem Bodensee, der zunächst noch mit einer Notlandung auf dem Wasser endete. Doch trotz einiger weiterer Rückschläge ging es in den folgenden Jahren aufwärts: Zeppeline flogen von Deutschland nach Amerika, und sie wurden auch im Krieg eingesetzt. Als die modernen Flugzeuge sie schließlich im wahrsten Sinne überflügelten, gerieten Zeppeline etwas in Vergessenheit. Heute sieht man gelegentlich kleinere Luftschiffe, die zwar oft als Zeppelin bezeichnet werden, aber etwas anders konstruiert sind.

Charles Lindbergh

33 Stunden lang war er in der Luft – allein im Cockpit und ganz auf sich gestellt. Dann setzte die Maschine bei Paris zur Landung an und Charles Lindbergh wurde als Held gefeiert: Er hatte als erster Mensch im Alleinflug den Atlantik überquert. Am Tag zuvor war er in New York gestartet. Fast 6.000 Kilometer hatte er zurückgelegt. Das alles spielte sich 1927 ab – und Lindbergh wurde damit zu einer Legende der Fliegerei.

Chuck Yeager und Joe Walker

Chuck Yeager und Joe Walker waren amerikanische Testpiloten. Yeager war der erste Mensch, der die Schallmauer durchbrach. Niemand flog je zuvor so schnell! Das war 1947 – und danach stellten Yeager, Walker und ihre Kollegen noch viele weitere Geschwindigkeits- und Höhenrekorde auf. So schaffte es Walker als einziger Mensch, mit einem Raketenflugzeug über 100 Kilometer hoch zu fliegen – eine Höhe, die als die Grenze zum Weltraum gilt. Im Kinofilm „The Right Stuff“ – zu deutsch „Der Stoff, aus dem die Helden sind“ – wird die Geschichte dieser Testpiloten auf spannende Weise erzählt. Es waren jene Jahre, als aus Piloten schließlich Astronauten wurden: Aus dem Kreis der besten Testpiloten wählte man die Kandidaten für die ersten Flüge ins All aus.

Auguste Piccard

Auguste Piccard
Auguste Piccard in der Kapsel seines Forschungsballons.
Credit:

Deutsches Bundesarchiv

Auguste Piccard war ein Schweizer Erfinder – und ein Rekordhalter der Extreme: 1931 stieg er mit einem Ballon auf die unglaubliche Höhe von 15.000 Metern auf. Das ist höher als die meisten Flugzeuge fliegen! Und es war damals absoluter Weltrekord. Rund 20 Jahre später zog es Piccard in die andere Richtung: Er tauchte mit einem U-Boot mehr als 3.000 Meter tief – auch das war damals ein neuer Rekord. Die Leidenschaft, Rekorde zu jagen und zu brechen, gab Piccard anscheinend an seine Nachkommen weiter: Sein Sohn brachte es auf mehr als 10.000 Meter Tauchtiefe und sein Enkel flog als erster Mensch – zusammen mit einem Begleiter – im Ballon „nonstop“ um die ganze Erde.