Thema: Sternschnuppen, Feuerkugeln & Co.
 

Thema
Sternschnuppen, Feuerkugeln & Co.

Einleitung

Wusstest du schon, dass Sternschnuppen durch winzig kleine Staubkörnchen entstehen, die hoch über unseren Köpfen durch die Luft sausen? Oder dass täglich über 100 Tonnen außerirdische Materie auf die Erde prasseln? Oder was eine „Feuerkugel“ ist und wie man gefährliche Asteroiden daran hindern kann, auf die Erde zu stürzen? Um all diese Themen geht es auf dieser Seite. Und wenn du jetzt immer noch nicht neugierig geworden bist, hier noch eine Zugabe: Von all dem Staub, der überall bei uns herumliegt, stammt ein klitzekleiner Teil tatsächlich aus dem Weltraum.

So, das waren zum Einstieg nur einige von vielen wirklich verblüffenden Dingen, die mit der Forschung auf diesem Gebiet zu tun haben. Und diese Forschungsarbeit ist nicht nur ziemlich spannend, sondern auch richtig wichtig. Denn sie betrifft neben kleinen Sternschnuppen, die einfach nur schön leuchten, auch größere Brocken. Manche von ihnen könnten der Erde irgendwann einmal gefährlich nahe kommen. Und da stellt sich die Frage, wie man sie im Ernstfall vom Crash-Kurs mit unserem Planeten abbringen kann. Aber fangen wir mal am besten ganz am Anfang an, bei der Entstehung des Sonnensystems. Denn wenn wir uns mit all den größeren und kleineren Himmelskörpern beschäftigen wollen, die unserer Erde da um die Ohren fliegen, ist es ja wichtig zu wissen, wie das alles entstanden ist. Auf geht’s zu einer Zeitreise weit in die Vergangenheit!

So ähnlich wie auf diesem Foto sehen die Bilder der Kameras aus, die den Nachthimmel beobachten, um Sternschnuppen aufzunehmen. Hier saust gerade eine wie ein dünner Strich durchs Bild. Daneben siehst du das helle Band der Milchstraße schimmern.

Was außerirdische „Brocken“ so alles verraten

Als sich die Sonne und die Planeten gebildet hatten, blieb etwas Materie übrig: Daraus formten sich kleinere Himmelskörper wie die Asteroiden und Kometen. Anfangs hatten sie noch nicht ihre endgültigen Bahnen eingenommen, sodass es zu vielen Zusammenstößen kam. Die Bruchstücke trafen auch die Erde. Bild: NASA/JPL-Caltech

Vor etwas mehr als 4,5 Milliarden Jahren ist unser Sonnensystem entstanden – und damit auch die Erde. Falls du dich jetzt fragst, woher wir das wissen: gute Frage! Denn man kann zwar mit chemischen Methoden das Alter von Gestein herausfinden. Aber auf der Erde gibt es praktisch keinen Stein, der 4,5 Milliarden Jahre alt ist. Das hat damit zu tun, dass die ganze Oberfläche unseres Planeten inzwischen überall „erneuert“ wurde. Sie besteht ja aus vielen einzelnen Platten, die du dir wie Puzzleteile vorstellen kannst. Und die bewegen sich langsam, aber andauernd hin und her. Wie Eischollen auf dem Wasser treiben diese Teile der Erdkruste auf dem heißen und zähflüssigen „Brei“, der sich darunter im Inneren der Erde befindet. Dabei schieben sich die Platten immer wieder übereinander und untereinander. So wird andauernd Material in die Tiefe gedrückt, das im Untergrund verschwindet. Und an anderen Stellen gelangt neues Material nach oben. Dazu kommen Vulkane, die frische Lava ausspucken, Wind und Wetter und vieles mehr. Kurz und gut: Auf der Erdoberfläche ist nichts mehr so, wie es anfangs war. Trotzdem hat man herausgefunden, wie alt die Erde und alles andere im Sonnensystem ist. Verraten haben uns das unter anderem ein paar kleine Brocken, die aus dem Weltraum stammen und irgendwann auf die Erde geknallt sind. Anders als das irdische Gestein sind sie noch im „Originalzustand“ – und als man sie im Labor genauer untersucht hat, kam heraus: Sie sind vor rund 4,5 Milliarden Jahren entstanden. Nun bilden sich solche vergleichsweise kleinen Brocken nicht einfach alleine im Universum, sondern sie sind zusammen mit der Sonne und der Erde und allen anderen Himmelskörpern unseres Sonnensystems entstanden, die daher alle genauso alt sind.

In solchen kosmischen Wolken aus Gas- und Staubteilchen entstehen neue Sterne – ganz ähnlich wie unsere Sonne. Und bei vielen Sternen bilden sich auch Planeten, die sie umkreisen. Bild: NASA/ESA/Hubble

Wir wissen auch ziemlich genau, wie das damals abgelaufen ist: Die Sonne und die Planeten sind aus einer Wolke aus Gas- und Staubteilchen entstanden, die durchs Universum waberte. Die Teilchen zogen sich gegenseitig an und bildeten Klumpen, die sich noch stärker anzogen und immer mehr anwuchsen – und so entstanden in der Mitte die Sonne und drumherum die Planeten. Woher man das mit der Wolke weiß? Auch eine gute Frage! Erstens haben wir inzwischen sehr viele solcher kosmischen Wolken im Weltall entdeckt. Zweitens beobachten wir mit großen Teleskopen immer wieder, wie darin neue Sterne entstehen. Und drittens hat man in einem der außerirdischen Brocken, die auf die Erde gestürzt sind, eine ganz besondere Entdeckung gemacht. Das hat die Fachleute echt umgehauen – also halt dich jetzt gut fest! ;-) Als man das Alter dieses Materials untersuchte, kam heraus: Es ist an einigen Stellen älter als das ganze Sonnensystem! Kleine Gas- und Staubteilchen, die darin eingeschlossen sind, sind sieben Milliarden Jahre alt! Das sind genau die Teilchen, die in der kosmischen Wolke enthalten waren, aus der sich das Sonnensystem gebildet hat.

In diesem etwa 100 Kilogramm schweren außerirdischen Brocken, der 1969 in Australien einschlug, hat man eine besondere Entdeckung gemacht: In dem Gestein sind Teilchen enthalten, die älter als das Sonnensystem sind. Bild: Basilicofresco/Wikipedia

Tja, schon irgendwie verrückt: Da verraten uns kleine Fundstücke, die aus dem All auf die Erde gefallen sind, wie vor mehreren Milliarden Jahren unser Planet entstanden ist. Von welchen Himmelskörpern diese außerirdischen Materieklumpen stammen, weiß man auch. Als sich die Sonne und die Planeten gebildet hatten, blieb ein Rest an Materie aus der kosmischen Wolke übrig. Zu wenig für große Planeten, aber gerade genug, dass sich daraus kleinere Himmelskörper formen konnten, die wir heute als Asteroiden und Kometen bezeichnen. Zur Erklärung: Asteroiden bestehen aus Gestein und Metall, Kometen aus Staub und Eis, weshalb sie auch „schmutzige Schneebälle“ genannt werden. Anfangs sausten sie kreuz und quer durchs Sonnensystem. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen – und die Bruchstücke, die dabei entstanden, krachten in dem ganzen Durcheinander auf die jungen Planeten und so auch andauernd auf die Erde. Erst allmählich beruhigte sich die Lage und die Einschläge wurden seltener.

So wie in dieser Illustration kannst du dir die Erde kurz nach ihrer Entstehung vorstellen. Andauernd schlugen außerirdische Materiebrocken ein. Bild: NASA's Goddard Space Flight Center Conceptual Image Lab

Kurz noch mal das Wichtigste zum Merken aus diesem Absatz zusammengefasst: Das Sonnensystem entstand vor etwas mehr als 4,5 Milliarden Jahren aus einer kosmischen Wolke aus Gas- und Staubteilchen. Außer der Sonne und den Planeten bildeten sich unzählige kleinere Himmelskörper: die Asteroiden und Kometen. Es kam zu Zusammenstößen und die Bruchstücke fielen auch auf die Erde. Damals geschah das andauernd, aber selbst heute noch treffen außerirdische Brocken auf die Erde. Aus ihrer Untersuchung und anderen Beobachtungen wissen wir, wann und wie unser Planet entstanden ist.

Und hier noch was zum Spielen: In dieser interaktiven Animation kannst du dein eigenes Sonnensystem bauen!

Nach einer kurzen Einführung kannst du im Labor gleich mehrere Planeten um die Sonne kreisen lassen. Entscheide dabei selbst, wie groß und schwer jeder einzelne Himmelskörper ist und wie weit sie voneinander entfernt sein sollen. Wenn du dann die Animation startest, wirst du sehen, ob sie friedlich auf ihren Bahnen kreisen oder ob es zu Zusammenstößen kommt. Manche Planeten oder Monde werden wahrscheinlich auch regelrecht aus dem Sonnensystem herausgeschleudert – und auch das ist anfangs in unserem Sonnensystem passiert. Auch wenn das hier wie ein Spiel aussieht, hat es so doch einiges mit den damaligen Abläufen zu tun. Quelle: PhET/University of Colorado

Upps! Was war das?

Eine Sternschnuppe saust über den Himmel. Bild: Michael Eberth/Wikipedia

Nach unserer kleinen Zeitreise in die Zeit vor 4,5 Milliarden Jahren machen wir einen großen Sprung in die Gegenwart – sagen wir mal zu einem schönen Sommerabend im August. Stell es dir in Gedanken vor: Es ist angenehm warm, die Sonne ist vorhin untergegangen, es wird allmählich dunkler, über dir funkeln schon einige Sterne und du denkst an eine … Upps! Was war das da drüben am Himmel? Ein heller Punkt ist da in Sekundenschnelle vorbeigeflitzt und gleich wieder verschwunden! Du hast sicher schon erraten, was wir meinen: Die Rede ist von einer Sternschnuppe. Wie wir schon oben auf dieser Seite geschrieben haben, entstehen Sternschnuppen durch winzige Staubkörner, die aus dem Weltall auf die Lufthülle der Erde treffen. Sie sind so schnell, dass sie in der Luft verglühen und außerdem die Luftteilchen – also die Atome, aus denen alles besteht und aus denen sich auch Luft zusammensetzt – zum Leuchten anregen. Das dauert nur einen ganz kurzen Augenblick und dann ist das Schauspiel vorbei.

Aber woher kommen diese … Huch! Da ist schon wieder eine Sternschnuppe aufgeblitzt! Und noch eine! So viele kurz hintereinander? Na klar! Im August gibt es ja die Perseiden! Das ist ein … Hui! Noch eine besonders helle! Äh … Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja: Die Perseiden sind ein Sternschnuppenschwarm, der jedes Jahr um die gleiche Zeit stattfindet. Da kann man in manchen Nächten richtig viele Sternschnuppen sehen. Wobei es dabei auch auf den eigenen Standort ankommt. In einer Großstadt wird der Himmel durch die vielen Lichter nie mehr richtig dunkel, sodass man nur mit sehr viel Glück eine besonders helle Sternschnuppe erkennen kann. Draußen auf dem Land aber ist das ganz anders: Da sieht man unzählige Sterne und in manchen Nächten auch richtig viele Sternschnuppen.

Seltener Schnappschuss: Hier hat ein Astronaut von Bord der Internationalen Raumstation ISS eine Sternschnuppe fotografiert, die gerade durch die Atmosphäre zischte. Bild: NASA

Woher kommen die Staubkörner?

Ein Komet mit seinem langen Schweif von der Erde aus fotografiert. So groß und hell sehen Kometen aber nur selten aus. Das hier war der Komet NEOWISE, der im Sommer 2020 viele Nächte lang am Himmel stand. Bild: Wikipedia/Jonas Windmann

Aber noch mal: Woher kommen die Staubkörner, die für die Sternschnuppen sorgen? Und warum sind in manchen Nächten besonders viele davon zu sehen? Es handelt sich dabei um die Überreste von Kometen. Die meisten Kometen ziehen weit draußen fast schon am Rand des Sonnensystems ihre Bahnen. Sehr weit draußen! Weit weg von der Sonne und den Planeten und noch viel weiter als der kleine Pluto.

Dieses Foto nahm die Raumsonde Rosetta auf. Es zeigt einen Kometen ganz aus der Nähe. Du erkennst hier, wie Material in die Umgebung strömt. Das liegt am Sonnenwind: Das ist eine Art von Strahlung, die die Sonne neben dem Licht und der Wärme ebenfalls aussendet – und die „pustet“ das Material von der Oberfläche des Kometen ins All.

Doch manchmal verirrt sich einer dieser Brocken aus Eis und Staub ins innere Sonnensystem, wo Merkur, Venus, Erde und Mars ihre Bahnen um die Sonne ziehen. Dann „pustet“ die Strahlung der Sonne – natürlich ganz vereinfacht gesagt – Material von seiner Oberfläche weg. Der Komet bildet dadurch einen leuchtenden Schweif aus – und wenn der hell genug ist, sieht man ihn viele Nächte lang am Himmel. Der Komet selbst ist vielleicht einen Kilometer groß – aber der Schweif kann über eine Million Kilometer lang sein.

Hier ist die Bahn des berühmten Halleyschen Kometen dargestellt. Sie führt weit über die Bahn von Neptun (das ist der äußere blaue Ring) hinaus. Der Komet braucht 75 Jahre für einen Umlauf. Das nächste Mal wird er im Jahr 2061 hell am Himmel zu sehen sein. Quelle: Wikipedia/nagualdesign

Irgendwann ist der Komet in großem Bogen um die Sonne herum geflogen und wieder auf seinem Weg zum Rand des Sonnensystems verschwunden. Vielleicht kommt er in 50 Jahren wieder zurück – oder vielleicht auch erst in 50.000 Jahren oder noch später. Das hängt ganz von der Bahn des Kometen ab, die kurz oder lang sein kann. Also: Der Komet verschwindet, doch das Material, das aus seiner Oberfläche „weggepustet“ wurde, ist noch da. Es bildet jetzt so etwas wie eine Staubspur. Wenn nun die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne auf diese Staubspur trifft, prasseln die Staubteilchen auf unsere Lufthülle und es „regnet“ Sternschnuppen. Und da unser Planet ein Jahr für eine Umkreisung der Sonne benötigt, trifft er auch einmal im Jahr auf diese „Staubspur“ – immer im selben Monat und sogar in denselben Tagen beziehungsweise Nächten. So sieht man die Perseiden immer Mitte August, die Leoniden im November und die Geminiden im Dezember. Jeder dieser Sternschnuppenschwärme stammt von einem anderen Kometen. Die Namen der Sternschnuppenschwärme deuten übrigens an, aus welchem Sternbild sie zu kommen scheinen: die Perseiden aus dem Sternbild Perseus, die Leoniden aus dem Sternbild Löwe (Lateinisch „Leo“) und die Geminiden aus dem Sternbild Zwillinge (Lateinisch „Gemini“).

Wir fassen noch mal kurz die beiden letzten Absätze zusammen: Sternschnuppen entstehen, wenn kleine Staubkörnchen in die Atmosphäre eintauchen, dabei verglühen und auch die Luftteilchen für einen kurzen Augenblick zum Leuchten anregen. Die Staubkörnchen stammen von Kometen, die auf ihren Bahnen durchs innere Sonnensystem Materie verloren haben. Kreuzt die Erde eine solche „Staubspur“, kommt es an bestimmten Zeitpunkten im Jahr zu besonders vielen Sternschnuppen.

Umgeknickte Bäume und zerbrochene Fensterscheiben

Diese Weltkarte gibt an, wo sogenannte Feuerkugeln gesichtet wurden. Grüne und blaue Punkte sind kleinere Objekte, gelbe etwas größere – und der rote Punkt stellt den Meteor von Tscheljabinsk dar, den wir weiter unten im Text erwähnen. Das alles sind Sichtungen zwischen 1988 und Anfang 2023. Bild: NASA
Unzählige Bäume knickten um, als im Jahr 1908 ein Asteroid über Sibirien in der Erdatmosphäre explodierte. Bild: Wikipedia (unbekannter Fotograf)

Neben den kleinen Staubkörnchen, die Sternschnuppen erzeugen, tauchen ab und zu auch größere Brocken in unsere Erdatmosphäre ein. Dann bleibt es nicht bei einer kleinen Sternschnuppe, sondern es kommt zu einer grell leuchtenden Feuerkugel. Sie ist meistens ein paar Sekunden lang sichtbar – und das ist dann echt „boah“ und „wow“! Das Objekt, das eine Feuerkugel auslöst, kann etwa so groß wie ein Tischtennisball oder viel größer sein. Manchmal verglüht es vollständig in der Atmosphäre, manchmal kommt ein Rest auf dem Erdboden an. Dabei hängt viel von der Größe und auch vom Material ab: Besteht es aus Metall, ist es sehr hart und fest und knallt als ganzes Stück auf den Boden. Handelt es sich um Gestein, ist es nicht ganz so fest und zerplatzt oft schon unterwegs in mehrere Teile. Das kann zu einer Druckwelle führen, die große Zerstörungen anrichtet. Am 30. Juni 1908 sind auf diese Weise in Sibirien Tausende Bäume wie Streichhölzer umgeknickt. Das war das sogenannte Tunguska-Ereignis – benannt nach einem Fluss in der Nähe. Und am 15. Februar 2013 ist über der russischen Stadt Tscheljabinsk ein Brocken aus dem All explodiert: Viele Fensterscheiben zerbrachen durch die Wucht dieser Explosion und etwa tausend Menschen wurden durch die Glassplitter verletzt. Dieses Video zeigt, wie der etwa 19 Meter große Himmelskörper durch die Atmosphäre rast.

Der Meteor von Tscheljabinsk explodierte in der Luft. Bild: Wikipedia/Alex Alishevskikh

Weil wir hier immer von „Brocken“ sprechen, die aus dem All kommen: Fachleute haben dafür mehrere Begriffe. Ein winziger Himmelskörper, der viel kleiner als ein Asteroid oder Komet ist und durchs All fliegt, wird als „Meteoroid“ bezeichnet. Wenn etwas in der Erdatmosphäre leuchtet oder verglüht, spricht man von einem „Meteor“ – das ist also nur das Wort für die Lichterscheinung. Und das, was manchmal auf dem Erdboden ankommt, nennt man einen „Meteorit“.

Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst bei der Antarktis-Expedition.

Jeden Tag trifft so außerirdisches Material auf die Erde – im Durchschnitt sogar mehr als 100 Tonnen pro Tag! Das meiste davon sind feine Staubkörner. Auch Meteoriten gehen praktisch andauernd auf der Erde nieder. Oft passiert das alles unbemerkt: Tagsüber ist davon am hellen Himmel nur selten etwas zu erkennen – da müsste es schon eine richtig große Feuerkugel sein. Und viele Brocken fallen auch einfach irgendwo ins Meer, ohne dass Menschen in der Nähe wären. Doch selbst wenn sie auf Land niedergehen, sind die Überreste meist schwer zu finden – einfach weil man sie im Wald oder an anderen Stellen nicht leicht entdecken kann. Anders ist es in Wüsten wie der Sahara oder auf den riesigen Eisflächen in der Antarktis. Da erkennt man einen dunklen Klumpen sofort. Deshalb werden auch immer wieder Expeditionen in diese Regionen der Erde unternommen. Auch der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst hat im Jahr 2020 an einer solchen Expedition in die Antarktis teilgenommen. Im Labor werden die Fundstücke dann auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht. Dabei lässt sich sogar herausfinden, wie lange sie durchs All geflogen sind und wann sie auf der Erde einschlugen.

Kurz zusammengefasst: Wenn Objekte etwa so groß wie ein Tischtennisball oder deutlich größer sind, erzeugen sie nicht bloß eine Sternschnuppe, sondern leuchten als „Feuerkugel“ am Himmel auf. Je nach Größe und Material verglühen sie nicht vollständig in der Atmosphäre. Manche zerplatzen in der Luft oder schlagen auch auf dem Erdboden ein. Diese Überreste, die den Erdboden erreichen, werden Meteorite genannt. Man findet sie meistens in Wüsten oder auf den großen Eisflächen der Antarktis.

Die ganz großen Einschläge

Wenn große Asteroiden die Erde treffen, entstehen beim Einschlag Krater. Das Foto zeigt den Barringer-Krater in den USA, der vor etwa 50.000 Jahren entstanden ist. Die Leute, die da hinabsteigen, sind übrigens Astronautinnen und Astronauten, die dort für eine Landung auf dem Mond trainieren. Denn auf dem Mond gibt es unzählige Krater – und wenn sie eines Tages erkundet werden sollen, muss man sich damit auskennen. So wird hier schon mal geübt, wie man besonders interessantes Gestein erkennt und einsammelt.
Die Grafik stellt die Bahn eines Asteroiden in weißer Farbe dar. Die Striche an dem Kreis sollen deutlich machen, wie schräg seine Bahn im Vergleich zur Erdbahn (hellblau) verläuft. Für jeden bekannten Asteroiden, der unserem Planeten nahe kommt, wird mit Computern eine solche Berechnung angestellt.

Jetzt aber zu den ganz großen Einschlägen: Asteroiden können einige hundert Meter oder sogar mehrere Kilometer groß sein. Normalerweise kreisen sie zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter um die Sonne – im sogenannten Asteroidengürtel. Auch weiter draußen am Rand des Sonnensystems gibt es unzählige Asteroiden. Insgesamt dürften es viele Millionen sein – die meisten weit von uns weg. Aber einige Asteroiden nähern sich ab und zu der Erde. Vielleicht sind sie irgendwann mit einem anderen Asteroiden zusammengestoßen und dabei abgelenkt worden. Oder sie sind bei einem solchen Zusammenstoß in mehrere Teile zerbrochen, die dadurch auf einen anderen Kurs gebracht wurden. Und so kreuzen einige von ihnen manchmal auch die Bahn der Erde – meistens in großem Abstand, manchmal bedrohlich nah.

Diese Grafik zeigt die Bahnen aller bekannten „Near Earth Objects“, also kleiner Himmelskörper, die gelegentlich in die Nähe der Erde geraten. Dazu muss man aber sagen: So eng wie auf dem Bild geht es im Sonnensystem nicht zu. In Wirklichkeit ist da sehr viel Platz, weil die Abstände einfach riesig sind. Bild: NASA

Alle bekannten „Near Earth Objects“ (übersetzt Nahe-Erde-Objekte) werden von großen Antennen beobachtet, um ihre Bahnen zu vermessen – und so lässt sich vorausberechnen, wie nah sie der Erde in nächster Zeit kommen werden. Hier findest du die aktuellen Angaben zu diesen Near Earth Objects. Am besten stellst du als Maßeinheit für die Entfernung nicht AU (das ist die Entfernung der Erde zur Sonne), sondern LD ein - das steht für Lunar Distance und bezeichnet die Entfernung zwischen Erde und Mond, die knapp 400.000 Kilometer beträgt. Wenn ein Objekt in der Tabelle als „Minimum“ den Wert 1 hat, kommt es der Erde so nah wie der Mond, wenn der Wert geringer ist (also zum Beispiel 0,8 LD), saust es sogar in geringerer Distanz an uns vorbei. Außer der Entfernung gibt die Tabelle auch das Datum des Vorbeiflugs und andere Dinge an, wobei die Größe (in „diameter“, also Durchmesser angegeben) am interessanten ist. Wir kennen zurzeit keinen dieser Himmelskörper, der in den nächsten Jahrzehnten mit der Erde zusammenstoßen würde und dabei einen Schaden anrichten könnte. Aber wir kennen ja auch nicht alle: Gut möglich, dass irgendwann einer entdeckt wird, den man bisher noch nicht sehen konnte. In der Vergangenheit gab es viele Einschläge auf der Erde, die auch große Krater hinterlassen haben. Der berühmteste Einschlag hat vor etwa 65 Millionen Jahren stattgefunden: Da ist nahe der heutigen Küste von Mexiko ein zehn Kilometer großer Asteroid auf die Erde gekracht. Die gewaltige Explosion hat alles in der Nähe vernichtet, riesige Flutwellen ausgelöst und auch eine gigantische Staubwolke aufgewirbelt, die weltweit den Himmel verdunkelt hat. Ohne Sonnenlicht sind viele Pflanzen abgestorben – und ohne Futter fielen dem auch zahlreiche Tierarten zum Opfer und starben aus, darunter auch die Dinosaurier.

Asteroiden-Abwehr: Der absichtliche Crash!

Diese Illustration zeigt, wie die DART-Sonde auf den Asteroiden zuraste. Bild: NASA/Johns Hopkins APL/Steve Gribben

Aber es muss nicht gleich ein zehn Kilometer großer Himmelskörper sein, um verheerenden Schaden anzurichten. Auch der Einschlag eines Asteroiden von mehreren hundert Metern Größe würde eine Katastrophe bedeuten. Wiegesagt: Es gibt keinen Brocken, der auf Crash-Kurs mit der Erde ist. Aber wenn einer entdeckt worden wäre, hätte man bisher nur wenig tun können: Man hätte nur die Stelle vorausberechnen können, wo er einschlägt, um dann die Gegend zu evakuieren, also die Bevölkerung aufzufordern, das bedrohte Gebiet zu verlassen.

Doch große Raumfahrtorganisationen wie die amerikanische NASA und die europäische ESA bereiten inzwischen auch andere Lösungen vor. Am 26. September 2022 knallte die amerikanische Raumsonde DART mit einem Tempo von über 23.000 Kilometern pro Stunde auf einen Asteroiden. Absichtlich! Das passierte zehn Millionen Kilometer von der Erde entfernt und der Asteroid stellte keine Gefahr dar. Denn das Ganze war nur ein Test: Man wollte herausfinden, ob sich der Asteroid durch einen solchen Zusammenstoß von seiner Bahn abbringen lässt. Und die gute Nachricht ist: Es hat geklappt! Natürlich genügt es nicht, das ein einziges Mal zu testen. Sondern es muss weiter daran geforscht werden, wie die „Asteroiden-Abwehr“ funktionieren kann.

Diese Aufnahme funkte die DART-Sonde kurz vor dem Aufprall auf dem Asteroiden zur Erde. Es stellte sich heraus, dass der Asteroid kein fester Felsbrocken ist, sondern ein Klumpen aus losem Geröll – so ähnlich wie ein Schutthaufen. Solche Informationen sind wichtig, wenn man Asteroiden vom Kurs abbringen will. Denn dafür muss man wissen, wie sie beschaffen sind. Bild: NASA/Johns Hopkins APL
Mit Antennen wird der Himmel nach Objekten abgesucht, die sich der Erde nähern. Bild: NASA

Asteroiden werden mit großen Antennensystemen und Radarinstrumenten beobachtet und untersucht. Je länger man ihre Bahn verfolgen kann, um so mehr weiß man darüber – und dann kann man sie auch für die Zukunft genauer vorhersagen. Ist ja logisch: Stell dir vor, du willst herausfinden, wohin ein Ball fliegt und wie schnell er ist. Wenn du ihn nur eine kurze Sekunde lang beobachten kannst, wirst du nur ganz grob abschätzen können, wie es weitergeht. Kannst du ihn länger beobachten, kennst du die Richtung und auch die Geschwindigkeit viel besser. Bei Asteroiden kommt noch dazu, dass sie ihre Bahnen leicht verändern, wenn sie in die Nähe eines Planeten geraten. Der zieht sie mit seiner Anziehungskraft an und lenkt sie etwas ab. Auch das lässt sich zwar berechnen, macht die Sache aber etwas komplizierter. Trotzdem: Fachleute können heute den Kurs dieser Himmelskörper auf mehrere Jahrzehnte vorausberechen und dann im besten Fall Entwarnung geben. Zum Beispiel bei einem der berühmtesten Asteroiden, die uns sehr nahe kommen. Er heißt Apophis, ist etwa 300 Meter groß und kreuzt die Bahn der Erde alle paar Jahre.

Diese Animation stellt dar, wie der Asteroid Apophis im Jahr 2029 knapp an der Erde vorbeifliegen wird. Quelle: ESA

Anfangs konnte nicht ausgeschlossen werden, dass Apophis dabei eines Tages mit unserem Planeten zusammenstoßen würde. Doch dank neuerer Berechnungen wissen wir: Er wird am 13. April 2029 und auch im Jahr 2036 an der Erde vorbeifliegen – zwar ziemlich knapp, aber eben vorbei.

Auch hier fassen wir das Wichtigste aus den letzten Absätzen knapp zusammen: In der Vergangenheit kam es immer wieder zu größeren Einschlägen von Asteroiden auf der Erde. Der bekannteste Treffer ereignete sich vor 65 Millionen Jahren und führte zum Aussterben der Dinosaurier und vieler anderer Arten. Von kleinen und harmlosen Himmelskörpern abgesehen, die meist in der Atmosphäre verglühen, ist zurzeit kein Objekt bekannt, das sich auf Crash-Kurs mit der Erde befindet und uns gefährlich werden könnte. Aber für den Fall, dass doch ein solcher Asteroid entdeckt werden sollte, wurde bereits getestet, wie man ihn von seiner Bahn ablenken kann.

Sternschnuppen-Kameras und der rätselhafteste Stein der Welt

Manchmal werden auch Meteorite gefunden, die vom Mond stammen. Das erkennt man, wenn man sie mit Mondgestein vergleicht. Das Bild zeigt solches Mondgestein, das Astronauten zur Erde gebracht haben, unter dem Polarisationsmikroskop. Das sind spezielle Mikroskope, unter denen dünne Schliffe des Gesteins richtig bunt aussehen – während sie sonst einfach grau sind. Aus den Farben können Fachleute auf die Zusammensetzung des Gesteins schließen.

Anders als die großen Asteroiden muss man kleinere Himmelskörper oder gar die Staubkörner, die für Sternschnuppen sorgen, natürlich nicht mit riesigen Antennen untersuchen. Aber weil sie auch sehr spannend sind, gibt es dafür spezielle Kameras. Diese „All-Sky-Cams“ (also Kameras, die den ganzen Himmel im Blick haben) zeichnen die ganze Nacht lang automatisch Bilder auf – und dann kann man die Aufnahmen auswerten und Sternschnuppen zählen.

Ist auf solchen Bilder sogar eine Feuerkugel zu sehen, wird es noch spannender. Vergleicht man die Aufnahmen mehrerer Kameras, die an unterschiedlichen Orten aufgestellt sind, lässt sich die Bahn des kleinen Himmelskörpers berechnen. Man weiß dann nicht nur, aus welcher Richtung er gekommen ist. Sondern man kann auch ausrechnen, wohin er geflogen ist. Ob man davon auch noch Überreste fnden kann – das ist wie oben erläutert nicht ganz einfach. Aber wenn dann trotzdem irgendwo in einem Garten oder auf einem Feld ein Stück außerirdischer Materie entdeckt wird, kann das im Labor näher untersucht werden.

Manchmal ist es „nur“ ein ganz normaler Fund – also zum Beispiel das Bruchstück eines Asteroiden, wie das öfter mal vorkommt. Davon gibt es inzwischen Tausende. Es kam aber auch schon zu Entdeckungen, die ganz ungewöhnlich und besonders waren. Denn ab und zu ergibt die Analyse im Labor, dass es sich um ein Stückchen vom Mond oder sogar vom Mars handelt. Wie die auf die Erde kommen? Auch auf dem Mond und Mars schlagen ja manchmal Asteroiden ein. Unser Mond ist von Kratern geradezu übersät, die durch solche Treffer entstanden sind. Bei besonders schweren Treffern wird Material aus dem Boden so weit ins All geschleudert, dass es Jahrtausende oder Jahrmillionen lang durchs All trudelt, bis manches davon zufällig auf die Erde trifft. So sind inzwischen auch einige Meteoriten gefunden worden, die vom Mond oder vom Mars stammen. Solltest du dich jetzt fragen, woran man das erkennt: Was den Mond angeht, haben ja die Astronauten, die dort vor über 50 Jahren gelandet sind, insgesamt mehr als 300 Kilogramm Mondgestein zur Erde gebracht. Das lässt sich mit Meteoritenfunden unter dem Mikroskop vergleichen – und wenn es dieselbe Zusammensetzung hat, weiß man, dass ein Meteorit vom Mond stammt. Vom Mars kennen wir die Zusammensetzung seiner Atmosphäre, die von Raumsonden untersucht wurde. Da in Meteoriten auch kleine Gasblasen eingeschlossen sind, kann man die Zusammensetzung dieser Gase mit den Daten der Mars-Sonden vergleichen und so den Ursprung bestimmen.

Das ist der rätselhafte Meteorit, der vielleicht vom Merkur stammt. Er trägt die Bezeichnung NWA 7325. Bild: Stefan Ralew

Neben Meteoriten vom Mond oder Mars gibt es sogar einen Fund, der sehr, sehr seltsam ist: Er gilt als der rätselhafteste Stein der Welt! Der faustgroße Brocken wurde in Nordafrika entdeckt und die Untersuchung ergab, dass er eindeutig aus dem Weltall stammt. Aber seine chemische Zusammensetzung passt nicht zu Asteroiden oder Kometen und auch nicht zum Mond oder Mars. Erst Jahre später zeigten die Daten einer Raumsonde, die den kleinen Planeten Merkur umkreiste: Das seltsame Fundstück ist aus demselben Material, aus dem auch die Oberfläche von Merkur besteht. Ganz sicher ist man sich aber noch nicht und es könnte auch von einem Planeten kommen, den es gar nicht mehr gibt – vielleicht weil er in der Frühzeit aus dem Sonnensystem herausgeschleudert wurde oder in die Sonne gestürzt ist. Die ganze Geschichte dieses Meteoriten findest du hier.

Aber egal woher ein Meteorit stammt: Ihn unter dem Mikroskop zu betrachten, ist immer spannend. In einigen unserer Schülerlabore – zum Beispiel in Berlin, Bremen und Jena – können Schulklassen das sogar tun! Und selbst mal außerirdische Materie in Händen zu halten oder durch ein Mikroskop anzusehen, ist echt ein spannendes Erlebnis! Aber das gilt natürlich auch, wenn man Sternschnuppen über den Nachthimmel zischen sieht. Falls du dich mal auf die Lauer legst: viel Glück!

Quiz

So, nach diesen ausführlichen Infos müsstest du eigentlich so ziemlich alles über Sternschnuppen, Feuerkugeln, Asteroiden und den ganzen Rest wissen. ;-) Toll dass du jetzt hier an dieser Stelle angekommen bist. Denn jetzt kannst du ein paar Quizfragen beantworten und dein Wissen testen. Mal sehen, ob wir alles verständlich erklärt haben. Die Lösungen findest du hier – aber nicht gleich nachgucken, sonst macht das Quiz ja keinen Spaß!

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