Deutsches Raumfahrtkontrollzentrum
"Außenposten" im All
Internationale Raumstation ISS
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Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum

  • Blick in den Hauptkontrollraum während der D%2d2 Mission Blick in den Hauptkontrollraum während der D%2d2 Mission

    Blick in den Hauptkontrollraum während der D-2 Mission

    Blick in den Hauptkontrollraum während der D-2 Mission vom 26. April bis 6. Mai 1993.

  • Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) Shuttle Radar Topography Mission (SRTM)

    Shuttle Radar Topography Mission (SRTM)

    Shuttle Radar Topography Mission (SRTM): Zusätzlich zu den Hauptantennen in der Ladebucht des Space-Shuttle waren an der Spitze eines 60 Meter langen, ausfahrbaren Mastes weitere Empfangsantennen angebracht. Diese Kombination ermöglichte es, zum ersten Mal eine dreidimensionale Ansicht der Erde aus dem Weltall zu generieren.

  • Astronaut Ulrich Walter während der D2%2dMission Astronaut Ulrich Walter während der D2%2dMission

    Astronaut Ulrich Walter während der D2-Mission

    Astronaut Ulrich Walter demonstriert die Schwerelosigkeit im Spacelab während der D2-Mission 1993.

  • Fernerkundungssatellit TerraSAR%2dX Fernerkundungssatellit TerraSAR%2dX

    Fernerkundungssatellit TerraSAR-X

    Fernerkundungssatellit TerraSAR-X: Der Start des ersten, operationellen deutschen Fernerkundungssatelliten TerraSAR-X erfolgte am 15. Juni 2007. Dieser Radarsatellit liefert erstmals im zivilen Bereich Bilder der Erdoberfläche mit einer räumlichen Auflösung von bis zu einem Meter.

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Mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung mit Raumfahrtmissionen

Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberfaffenhofen bei München kann auf eine herausragende, langjährige Erfahrung zurückschauen: Es ist seit 1969 für den Betrieb von Raumfahrzeugen verantwortlich, wobei es an zahlreichen unbemannten und bemannten Missionen maßgeblich beteiligt war und ist. In den vergangenen Jahren ist die Vorbereitung und Durchführung von Erdbeobachtungsmissionen als neuer Schwerpunkt hinzugekommen. So wurden seit dem Jahr 2000 die Satelliten CHAMP, BIRD und GRACE (Gravity Recovery And Climate Experiment, zwei Satelliten) gestartet und betrieben. Am 15. Juni 2007 startete der deutsche Radarsatellit TerraSAR-X, der hochwertige Radardaten der Erdoberfläche liefert. Am 21. Juni 2010 kam der Radarsatellit TanDEM-X hinzu, der mit seinem Zwillingssatelliten TerraSAR-X im Formationsflug betrieben wird. Außerdem wird in Zukunft auch der Hyperspektralsatellit EnMAP in Oberpfaffenhofen gesteuert und überwacht.

Darüber hinaus übernimmt sich das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum die Durchführung von Betriebsaufgaben für das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo. Dabei wird es den Regelbetrieb der 30-Satelliten-Konstellation über mindestens 20 Jahre hinweg durchführen. Bei allen diesen Aufgaben sind hohe Sicherheitsstandards sowie die Verknüpfung einer Vielzahl komplizierter Betriebsabläufe von entscheidender Bedeutung.

Die Aufgaben des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums

Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum ist mit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die herausragende Raumfahrt-Einrichtung am DLR-Standort Oberpfaffenhofen. Es ist mit der Vorbereitung und Durchführung von nationalen und internationalen Raumfahrtmission seit über dreieinhalb Jahrzehnten auch das zentrale Element der Raumfahrtaktivitäten in Deutschland. In den vielfältigen bemannten und unbemannten Missionen ist es dabei zuständig für:

  • die Steuerung und Überwachung von Raumfahrzeugen, deren Sub-Systemen und von Experimenten an Bord,
  • die Kommunikation zwischen Raumfahrzeugen, Bodenstationen und Kontrollzentren,
  • die Verfolgung (Tracking) und Berechnung der Flug- und Umlaufbahnen,
  • die Planung und Ausführung von Korrekturen der Flug- und Umlaufbahnen,
  • den Empfang, die Verarbeitung, Verteilung und Auswertung von Daten,
  • die Missionsplanung, das heißt die Planung des Betriebsablaufs an Bord und am Boden.

Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum sieht sich dabei in der Verantwortung im Rahmen der Zielsetzungen des nationalen Deutschen Raumfahrtprogramms zu handeln. Dabei werden sowohl internationale Verpflichtungen (zum Beispiel in Projekten der Europäischen Weltraumorganisation ESA und bei dem Betrieb des Weltraumlabors Columbus auf der ISS) oder in Kooperationen (zum Beispiel beim Satellitenprojekt GRACE mit der amerikanischen Weltraumbehörde NASA) erfüllt als auch Projekte im Bereich kommerzieller Systeme (wie zum Beispiel bei TV-SAT, DFS, EUTELSAT) realisiert. So werden kommerzielle, wissenschaftliche und bemannte Missionen am Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum parallel durchgeführt. Dadurch profitieren die unterschiedlichen Projekte wechselseitig von den übergreifenden Kompetenzen und Strukturen des ausgereiften und vielfach bewährten Multi-Missionsbetriebs.

Leistungsfähig und flexibel - Multi-Missionsbetrieb und Matrix-Prinzip

Die Organisation des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums und die Projektbearbeitung basieren auf der Erfahrung aus früheren Raumflugprojekten und folgen dem Matrix-Prinzip. Dabei werden die Projekte dedizierten Projektgruppen zugeordnet, die sich aus Vertretern der relevanten technischen Abteilungen zusammensetzen beziehungsweise von diesen unterstützt werden. Diese Aufgabenverteilung garantiert ein hohes Maß an verfügbarer Kompetenz und Flexibilität und ermöglicht eine klare Zuordnung der Ressourcen gemäß den Anforderungen der Projekte. Dies bedeutet, dass für jedes neue Projekt von der Abteilung Missionsbetrieb ein Projekt-Manager ernannt wird, der von den Projektingenieuren der entsprechenden technischen Abteilungen unterstützt wird. Diese Projektgruppe nimmt sich dann aller Arbeiten an, die für die Vorbereitung und Durchführung der geplanten Mission ausgeführt werden müssen.

Durch das Multi-Missionskonzept wird einerseits sichergestellt, dass genügend Einrichtungen und Personalkapazitäten zur Verfügung stehen, um die Missionen ohne Kapazitätsprobleme vorbereiten und durchführen zu können. Andererseits können zahlreiche Ressourcen gemeinsam mit anderen Projekten genutzt werden, was sich auch in einer erhöhten Betriebszuverlässigkeit und geringeren Kosten manifestiert.

Seit 1968 Erfahrung und Kompetenz bei zahlreichen wissenschaftlichen Raumfahrtmissionen

Erfahrung und Kompetenz des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums wurden durch die Vorbereitung und Durchführung unterschiedlichster Missionen seit 1968 kontinuierlich aufgebaut und erweitert.

Die erste Mission des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums begann am 8. November 1969, mit dem Start des Satelliten AZUR, der die Strahlungsgürtel der Erde durchflog. Dieser Mission folgten die beiden Aeronomie-Satelliten AEROS A und B (1970 bis 1974). Kontinuität auf dem Gebiet der erdnahen Missionen wurde durch die erfolgreiche Mission des "Active Magnetospheric Particle Explorer" AMPTE (1984 bis 1986) erzielt. Von 1990 bis 1999 wurde der Röntgensatellit ROSAT unter Nutzung der DLR-Bodenstation in Weilheim und der NASA-Bodenstation in Wallops betreut. Zurzeit werden die Erdbeobachtungssatelliten BIRD, CHAMP, GRACE 1 und GRACE 2 in einem effizienten Multi-Missionsbetrieb betrieben. Die Mission TerraSAR-X mit einem hochauflösenden Radarsatelliten startete am 15. Juni 2007 und fliegt seit dem 21. Juni 2010 mit seinem Zwillingssatelliten TanDEM-X im Formationsflug. Auch der hyperspektrale Erdbeobachtungssatellit EnMAP soll nach seinem geplanten Start 2017 von Oberpfaffenhofen aus gesteuert und überwacht werden.

Mit der angestrebten Übernahme von Betriebsaufgaben für das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo wird das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern seine umfassende Kompetenz einbringen und damit ein weiteres, wirtschaftlich überaus bedeutsames Aktivitätsfeld der Raumfahrt erschließen.

Auf dem Gebiet der interplanetaren Raumfahrt war das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum für die HELIOS A und B Missionen zur Sonne (1974 und 1976 gestartet) verantwortlich. Die Sonden näherten sich der Sonne bis auf 0,28 Astronomische Einheiten (eine Astronomische Einheit (AU) entspricht dem mittleren Abstand der Erde bis zum Zentrum der Sonne). Eine Konsequenz dieser erfolgreichen Missionen war die Unterstützung der ESA-Mission GIOTTO, bei der die 30 Meter S-Band Antenne des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums in Weilheim zum Einsatz kam. Bei der Jupiter-Mission GALILEO der NASA überwachte das Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen das "Retro Propulsion Module" (RPM).

Seit 1983 Erfahrung in der Betreuung bemannter Missionen

Zu einem weiteren bedeutenden Aktivitätsfeld des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums mit bereits einunddreißigjähriger Expertise hat sich die bemannte Raumfahrt entwickelt. In diesem Bereich nahm es mit der Vorbereitung für den Betrieb des Columbus-Forschungsmoduls auf der Internationalen Raumstation ISS  eine Spitzenstellung in Europa ein. Während der ersten Spacelab-Mission "FSLP" (1983) war das Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen als Nutzerzentrum an das Houston Control Center mit angebunden. Bei der ersten deutschen Spacelab-Mission D1 fungierte es 1985 als "Payload Operations Control Center" (POCC). Es demonstrierte damit erfolgreich die Qualifikationen und Funktionen eines Kontrollzentrums, speziell für die europäische Wissenschaft. Bezüglich der wissenschaftlichen Aspekte wurde die deutsche Spacelab D1-Mission allein vom Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum durchgeführt: Es war damit das erste Kontrollzentrum in der westlichen Hemisphäre, das außerhalb der USA direkt in bemannte Raumflugmissionen eingebunden wurde.

Für die nächste geplante deutsche Mission wurde in Oberpfaffenhofen ein neues Gebäude mit modernen Einrichtungen entworfen und gebaut. Dieses wurde mit der deutschen Spacelab D2-Mission im April 1993 eingeweiht. Außerdem wurde es für bemannte ESA-Missionen, wie zum Beispiel EUROMIR, genutzt. Ein weiterer Meilenstein der bemannten Raumfahrtmissionen im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum war die Space Shuttle Mission SRTM mit dem deutschen ESA-Astronauten Gerhard Thiele im Jahre 2000.

Aufgrund der in Europa einzigartigen Erfahrungen auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt hat die ESA das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum für den Betrieb des Columbus-Forschungsmoduls ausgewählt, den wichtigsten Beitrag Europas zur Internationalen Raumstation ISS.

Die strengen und hohen Anforderungen der bemannten Raumfahrt an das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum haben über eine lange Zeit hinweg zur Umsetzung zahlreicher neuer und innovativer Konzepte und Maßnahmen geführt, die insgesamt Systemverfügbarkeit und Betriebssicherheit erhöhten. Dies kommt auch wichtigen Anforderungen in anderen Projekten zugute.

Zuletzt geändert am:
24.03.2014 16:15:09 Uhr