Der Standort Oberpfaffenhofen des DLR

Der DLR-Standort Oberpfaffenhofen zählt neben dem Standort Köln zu den größten Forschungszentren in Deutschland. Acht wissenschaftliche Institute sind auf dem Areal unweit der Autobahn München-Lindau A96 ansässig. Derzeit beschäftigt der Standort rund 1700 Mitarbeiter. Schwerpunkte des Forschungszentrums sind unter anderem die Beteiligung an Weltraummissionen, die Klimaforschung, Forschung und Entwicklung zur Erdbeobachtung, der Ausbau von Navigationssystemen und die Weiterentwicklung der Robotertechnik.  

Robonaut soll Menschen im All unterstützen

So zählt etwa das DLR-Institut für Robotik und Mechatronik europaweit zu den größten und erfolgreichsten seiner Art. Führende deutsche Industrie-Roboter-Hersteller konnten dank der Soft- und Hardware-Entwicklungen des Instituts ihre Wettbewerbsfähigkeit massiv steigern. Sein Hauptaugenmerk legt das DLR-Instituts derzeit aber auf dem Weltraum: Was sich für den Laien wie Stoff aus einem Science Fiction-Roman anhört, beginnt im DLR bereits Wirklichkeit zu werden. In einigen Jahren sollen in Oberpfaffenhofen entwickelte Roboter ins All geschickt werden, die einige der gefährlichen Aufgaben von Astronauten übernehmen können. Angedacht ist dabei insbesondere der Bau eines "Robonauten", der aus eigener Kraft Tausende von Kilometern zurücklegen und so auch weit entfernte Satelliten erreichen und reparieren kann.

Der Durchbruch gelang dem DLR auf dem Gebiet der Robotik 1993 bei der D-2-Shuttle-Mission. Von der Erde aus steuerten die Wissenschaftler ihren Roboterarm "Rotex" so genau, dass es gelang, mit ihm einen frei schwebenden Gegenstand einzufangen. "Wir haben erstmals gezeigt, dass man vieles auch vom Boden aus erledigen kann", so der damalige Institutsleiter Professor Gerd Hirzinger. Auch auf der Erde leistet das Institut Pionierarbeit. So entwickeln die Mitarbeiter derzeit Robotorarm-Systeme, die es Chirurgen ermöglichen, mit nur einem kleinen Schnitt aufwändige Operationen durchzuführen. Das erfolgreichste Produkt, das das DLR-Institut bislang auf den Markt gebracht hat, ist die "Space Mouse", die ursprünglich für den Roboterarm "Rotex" entwickelt worden war. Sie gilt als das erfolgreichste europäische Computer-Peripheriegerät und wurde schon mehr als 100.000 mal verkauft.

Erdbeobachtung

Telekommunikation und Fernsehen, aber auch Meteorologie, Kartographie, Umweltbeobachtung und -überwachung, Landesplanung und Sicherheit sind mittlerweile auf die Nutzung von Weltraumtechnologien angewiesen. Die Beeinträchtigung der Umwelt durch den Menschen zeigt in den letzten Jahrzehnten weltweit wachsende Ausmaße: Abholzung, Bodendegradation, Gewässerverschmutzung, Klimaveränderung und Treibhauseffekt sind Probleme, zu deren Erfassung und Bewältigung die satellitengestützte Erdbeobachtung wichtige Beiträge leistet.

  Video: Einblick in die Forschungsthemen des DLR in Oberpfaffenhofen

Die Arbeiten des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums und des Instituts für Methodik der Fernerkundung decken ein breites Spektrum an Anwendungen im Bereich der flugzeug- und satellitengestützten Erdbeobachtung ab. Die Anwendungsbereiche umfassen die Fernerkundung der Landoberfläche, die Gewässerfernerkundung und die Fernerkundung der Atmosphäre. Die Ziele der wissenschaftlichen Arbeiten sind unter anderem die Entwicklung von Algorithmen und Auswerteverfahren für unterschiedliche Fernerkundungssensoren, die Ableitung von physikalischen Parametern und die Erstellung von Informationsprodukten aus den Fernerkundungsdaten sowie die langfristige Archivierung und Bereitstellung der Daten in der "Nationalen Fernerkundungsbibliothek der Bundesrepublik Deutschland".

Die boden-, flugzeug- und satellitengestützten Sensoren, die in der Fernerkundung zum Einsatz kommen, werden im DLR-Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme entworfen und kontinuierlich weiterentwickelt. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Konzeption und Realisierung von hochauflösenden abbildenden Radarsystemen, basierend auf dem Prinzip des Synthetik-Apertur-Radars (SAR). Beispiel dafür sind die Entwicklung und Durchführung der Satellitenmissionen TerraSAR-X und TanDEM-X.

Galileo

Große Ziele hat sich der DLR-Standort in Oberpfaffenhofen auch für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo gesetzt. So befassen sich zurzeit die Verantwortlichen im Institut für Kommunikation und Navigation schwerpunktmäßig mit dem "Galileo"-Projekt, für dessen Betrieb sich das DLR ebenfalls beworben hat. Im Jahr 2002 wurden bereits mehrere Messkampagnen unternommen und seit 2008 wird die hochpräzise Atomuhr an Bord eines Test-Satelliten erprobt. Unter anderem ließen die Wissenschaftler einen Zeppelin über der Landeshauptstadt München kreisen. Von dem Luftschiff, das einen Galileo-Satelliten simulierte, wurden Signale ausgesendet, die ein Begleitfahrzeug am Boden einfing. Das zivil genutzte Galileo-Programm soll in Konkurrenz zu dem unter militärischer Kontrolle stehenden amerikanischen GPS treten. Bis zum Jahr 2015 sollen 27 Galileo-Satelliten sowie drei Ersatzsatelliten in einer Entfernung von 24.000 Kilometern um die Erde kreisen und den Empfangsstationen am Boden voll zur Verfügung stehen.

Columbus-Modul als wichtigster europäischer Beitrag für ISS

Das Columbus-Kontrollzentrum konnte beim Start von Columbus im Februar 2008 auf die langjährige Betriebserfahrung und Kompetenz bei der Durchführung bemannter Raumflugmissionen im DLR-Raumfahrtkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen zurückgreifen. Das Kontrollzentrum gilt als das Aushängeschild des Standorts.Mehr als 50 Satelliten - wissenschaftliche und kommerzielle - wurden von hier bereits in die für sie vorgesehenen Umlaufbahnen gesteuert. Hinzu kommen bemannte Weltraumflüge, an denen sich das DLR beteiligt hat. Dazu zählt auch die Spacelab D2-Mission im Jahre 1993. Die gesamte Mission der Raumfähre "Columbia" wurde damals vom Raumfahrt-Kontrollzentrum begleitet. Das DLR hatte dabei den ungefilterten Zugang zu allen Daten und die volle Verantwortung für den Nutzlastbetrieb. An Bord der "Columbia" waren auch die deutschen Astronauten Ulrich Walter und Hans Schlegel.

Mit dem Betrieb des Columbus-Labors hat der Standort Oberpfaffenhofen erneut eine große Aufgabe. Das Columbus-Modul ist der wichtigste europäische Beitrag im Rahmen des Raumstationsprogramms. Von den zahlreichen in dem Weltraumlabor geplanten Experimenten verspricht sich die Wissenschaft neue Erkenntnisse über Materialien oder Verhaltensweisen von organischen und anorganischen Stoffen in der Schwerelosigkeit. Untersucht werden sollen auch Proteine, die sich in der Schwerelosigkeit besser ausbilden und entsprechend besser entschlüsselt werden können. Das Modul  wurde am 7. Februar 2008 vom Weltraumflughafen in Cape Canaveral mit einer Raumfähre zur ISS gebracht und angekoppelt. Vom Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen erfolgt die Kontrolle des Moduls und der wissenschaftlichen Arbeiten an Bord. Mehr als 40 DLR-Mitarbeiter und weitere 60 Mitarbeiter von Kontraktorfirmen waren mit der Vorbereitung des Flugbetriebs beschäftigt und haben jetzt die ständige Überwachung und Kontrolle des Moduls - in enger Zusammenarbeit mit der ESA und der NASA sowie mit Partnern aus Russland, Japan und Kanada.

Flugzeuge für Atmosphären-Forschung

Aufgrund der vielerorts bereits spürbar werdenden Umweltveränderungen rückt die Arbeit der Wissenschaftler im DLR-Institut für Physik der Atmosphäre immer stärker in das öffentliche Interesse. Erforscht werden in Oberpfaffenhofen die Physik und die Chemie der Atmosphäre, der Troposphäre und der Stratosphäre. Die globalen und regionalen, dynamischen, wolkenphysikalischen und chemischen Prozesse bilden eine Grundlage der Luft- und Raumfahrt. Kenntnisse über die Atmosphäre sind auch die Grundvoraussetzung zur Beurteilung der Klimawirkungen der regionalen und der globalen Emissionen, die weltweit vom Luft- und Straßenverkehr abgegeben werden. Unter anderem beobachten die Wissenschaftler die Veränderungen von Ozon und Wasserdampf in der Stratosphäre. Für ihre Rechenmodelle nutzen die Forscher Daten von Umweltsatelliten und Messergebnisse der vier DLR-eigenen Forschungsflugzeuge.

Für die Bereitstellung und den Einsatz der hoch modifizierten Forschungsflugzeugen ist die DLR-Einrichtung Flugexperimente zuständig.Das am stärksten genutzte Flugzeug ist zurzeit die auf dem Sonderflughafen in Oberpfaffenhofen stationierte Falcon. Das Forschungsflugzeug, das bis in eine Höhe von 14.000 Metern aufsteigen kann, ist bereits seit 1976 für das DLR im Einsatz. Die Forschungsflugzeugflotte wurde Ende 2008 durch den hochmodernen Forschungs-Jet HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) ergänzt. HALO ist in Oberpfaffenhofen in einem eigenen Flugzeughangar stationiert. Von dem neuen Jet, der eine Höhe von 15.000 Metern erreichen und eine Nutzlast von drei Tonnen tragen kann, erhofft sich das DLR beispielsweise künftig noch genauere Erkenntnisse über die Chemie und den Transport von Spurengasen in der Troposphäre und der unteren Stratosphäre zu bekommen.

Vermarktung

Eine Zielsetzung des DLR ist es, sein Wissens- und Technologiepotenzial auch unternehmenspolitisch umzusetzen. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium wurde daher 1995 in Oberpfaffenhofen eine Einrichtung für Technologiemarketing und -transfer geschaffen. Der schadstoffarme Ölbrenner und die Aerodynamik der ICE-Züge sind Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung des DLR-Know-hows auch in Branchen außerhalb der Luft- und Raumfahrtindustrie. Mittlerweile kann die Einrichtung auf ein umfangreiches Netzwerk zurückgreifen, das es ermöglicht, sofort die notwendigen Kontakte zwischen Forschungseinrichtungen, Industrien und Ministerien herzustellen. Innovationsideen können so deutlich schneller umgesetzt werden. Zudem kann die Markteintrittsphase des jeweiligen Produkts erheblich verkürzt werden. Existenzgründer werden von der Abteilung von der Ideenphase bis zur Markteintrittsphase professionell betreut. Der Einrichtung für Technologiemarketing und -transfer ist es mit zu verdanken, dass auch der DLR-Standort in Oberpfaffenhofen seinen Etat zu rund einem Drittel selbst erwirtschaftet.

Zuletzt geändert am: 25.06.2014 15:49:10 Uhr

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Kontakte

Dr. Reinhold Busen
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Leitung des Standortes

Tel.: +49 8153 28-2421
Miriam Kamin
Deutsches Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation Oberpfaffenhofen

Tel.: +49 8153 28-2297

Fax: +49 8153 28-1243

DLR-Standort Oberpfaffenhofen

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Luftaufnahme des DLR-Standortes Oberpfaffenhofen

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Downloads

  • Film: DLR-Standort Oberpfaffenhofen (107,31 MB)
    (http://dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/videos/2013/StandortfilmOP_HDklein.mp4)
  • Flyer: DLR-Standort Oberpfaffenhofen (2,2 MB)
    (http://dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/bilder/portal/oberpfaffenhofen/DLR_Standort_Oberpfaffenhofen_Flyer.pdf)
  • Broschüre: 75 Jahre Forschungsstandort Oberpfaffenhofen (6,02 MB)
    (http://dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/bilder/portal/oberpfaffenhofen/75_Jahre_Forschungsstandort_Oberpfaffenhofen_Broschuere.pdf)