Verkehrsforschung im DLR

Der Verkehrssektor ist ein wesentlicher Eckpfeiler unserer industriell geprägten Volkswirtschaft. Er befriedigt individuelle Mobilitätsbedürfnisse und generiert Beschäftigung sowie einen wesentlichen Anteil der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. Verkehr hat aber auch eine Reihe negativer Folgen. Lärm und Abgase belasten Mensch und Umwelt, unzählige Menschen werden Opfer von Unfällen. Aus diesem Spannungsfeld des Verkehrs erwächst die Notwendigkeit zur intensiven Auseinandersetzung mit den aktuellen und zukünftigen Problemen des Verkehrssektors. Im Geschäftsfeld Verkehr nimmt das DLR diese Herausforderung an.

Staus auf einer Länge von 7.500 Kilometern behindern täglich den Verkehr auf Europas Hauptstraßen. Der europäische Schienenverkehr stößt auf 16.000 Kilometern an seine Aufnahmegrenzen. Kapazitätsbedingte Engpässe und Verspätungen beeinträchtigen den Luftverkehr. Doch damit nicht genug. Geräusch- und Abgas-Emissionen von Motorfahrzeugen beeinträchtigen die Lebensqualität in verkehrsreichen Gebieten, Einflüsse auf das Klima werden kaum mehr in Frage gestellt. Und allein im Straßenverkehr der europäischen Länder sterben jährlich über 40.000 Menschen.

Diese Verkehrsprobleme sind Folge einer jahrzehntelangen Steigerung der Verkehrsleistung im Personen- und Güterverkehr. Gerade Deutschland mit seiner Lage in der Mitte Europas ist als Transitland auch zukünftig mit deutlich wachsendem Verkehrsaufkommen konfrontiert. Die schon heute bei allen Verkehrsträgern bestehenden Probleme werden sich mit Eintreten der prognostizierten Entwicklung noch verschärfen, zumal ein nachfrageadäquater Ausbau der Verkehrswege aus ökonomischen und ökologischen Gründen kaum machbar ist. Schnelle, zuverlässige und sichere Verkehrsverbindungen sind aber eine notwendige Voraussetzung, um wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen. So hat der Verkehrssektor derzeit mit rund 1.000 Milliarden Euro einen Anteil von über zehn Prozent am Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union und stellt über zehn Millionen Arbeitsplätze. Hinzu kommt die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Verkehrs. Für Deutschland als weltweit führende Exportnation gilt dies in besonderem Maß.

  Bodengebundener Verkehr

Engpassfreie Mobilität entspricht somit zum einen wirtschaftlichen Belangen der Industrie. Zum anderen wird damit aber auch ein weit verbreitetes individuelles Bedürfnis artikuliert, das kennzeichnend für die Lebensgewohnheiten moderner Gesellschaften ist. Eine radikale Trendwende ist weder hinsichtlich der Entwicklung der Wirtschaftsverkehrsnachfrage noch bezüglich des individuellen Mobilitätsverhaltens in Sicht. Aus dem Spannungsverhältnis zwischen Mobilitätsansprüchen und negativen Mobilitätswirkungen ergeben sich aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DLR-Geschäftsfelds Verkehr drei zentrale Herausforderungen: Mobilität für Personen und Güter sichern, Umwelt und Ressourcen schonen, Sicherheit verbessern.

Diesen Herausforderungen kann nicht allein mit einer Erweiterung bestehender Infrastrukturen oder der Liberalisierung von Verkehrsmärkten begegnet werden. Um ein dauerhaft tragfähiges Verkehrssystem aufzubauen, müssen vielmehr wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Belange in eine stabile Balance gebracht werden. Das DLR-Geschäftsfeld Verkehr leistet durch die Erforschung und Entwicklung modernster Verkehrstechnologien, -konzepte und -strategien hierzu wichtige Beiträge. Das verkehrsspezifische Expertenwissen wird genutzt, um gezielt DLR-internes Know-how aus Luftfahrt, Raumfahrt und Energie für verkehrliche Anwendungen zu erschließen. Diese in Deutschland einzigartige Symbiose sichert problemorientierte Ergebnisse unter Einsatz innovativer Hochtechnologien. Dabei konzentrieren sich die Arbeiten auf drei programmatische Forschungsgebiete:

  • Bodengebundene Fahrzeuge,
  • Verkehrsmanagement,
  • Verkehrssystem

Im Fokus stehen Autos, Nutzfahrzeuge, Züge und Lokomotiven der nächsten Generation mit geringerem Energieverbrauch, leichteren Strukturen, optimierter Aerodynamik, höherer Sicherheit, besserem Komfort und weniger Lärm. Mit innovativen Ansätzen zum Management von Straßen- und Schienenverkehr sowie Flughäfen wird die Effektivität und Effizienz der Infrastrukturnutzung verbessert. Die Lösungsbeiträge des DLR zum Verkehrsmanagement bei Großereignissen und Katastrophen unterstützen die Einsatzkräfte. Durch die integrale Betrachtung von Verkehrsentwicklung und Umweltwirkung werden neue Wege bei der Untersuchung des Verkehrssystems beschritten.

Bei den Forschungsarbeiten haben die DLR-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stets konkrete Anwendungen vor Augen. So erfüllt die DLR-Verkehrsforschung eine Brückenfunktion von der Grundlagenforschung über Zukunftstechnologien hin zu wirtschaftlich umsetzbaren Innovationen. Dabei wird nicht isoliert vorgegangen, sondern es wird die strategische Kooperation und Abstimmung mit herausragenden Forschergruppen und führenden Wirtschaftsunternehmen in Deutschland sowie im europäischen Ausland gesucht. Die DLR-Verkehrsforschung bringt ihre Kompetenzen auch in nationale und europäische Netzwerke ein, gestaltet durch ihre Mitarbeit Technologieplattformen und vertritt die Interessen von Forschungseinrichtungen in Gremien und Organisationen. Im engen Schulterschluss mit seinen Partnern trägt das DLR damit bei zum Erfolg der deutschen sowie europäischen Wirtschaft und Wissenschaft im globalen Wettbewerb.

Zuletzt geändert am: 11.11.2011 13:33:19 Uhr

URL dieses Artikels

  • http://dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10105/191_read-27/

Kontakte

Dr.-Ing. Christian Piehler
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Programmdirektor Verkehr

Tel.: +49 2203 601-3630

Fax: +49 2203 601-4712
Dr. Detlef Zukunft
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Programmbeauftragter Verkehr

Tel.: +49 2203 601-3030

Fax: +49 2203 601-4712
Dipl.-Ing. Jean-Marc Pfeiffer
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Programmbeauftragter Verkehr

Tel.: +49 2203 601-3470

Fahrzeuge auf dem Prüfstand

Tag_der_offenen_Tuer_ST.jpg

Umweltfreundlich, sicher, komfortabel und finanzierbar soll es sein - die Verkehrsforscher des DLR forschen am Auto der Zukunft. Auf dem Weg zum emissionsarmen Fahrzeug für die individuelle Mobilität vereint das Stuttgarter DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte von den alternativen Antrieben bis hin zum Fahrzeugleichtbau gleich mehrere System-Ansätze.

Weltweit einzigartig: Die Tunnelsimulationsanlage des DLR

Strömungssichtbarmachung bei Tunneldurchfahrt

In der weltweit einzigartigen Tunnelsimulationsanlage Göttingen werden Zugmodelle bis auf 400 Stundenkilometer katapultiert. Dann werden die Druckwelle bei Tunneldurchfahren sowie die Wirkung von Seitenwind untersucht.

Die RCAS-Technik des DLR soll Zugkollisionen vermeiden helfen

Mit RCAS%2dTechnik ausgestatteter Test%2dZug Integral

Im Forschungsprojekt RCAS (Railway Collision Avoidance System) entwickeln Wissenschaftler der DLR-Institute für Kommunikation und Navigation, für Verkehrssystemtechnik und für Robotik und Mechatronik ein infrastrukturloses Gesamtsystem zur Vermeidung von Zugkollisionen. Kooperationspartner ist die Bayerische Oberlandbahn (BOB), die für RCAS einen ihrer Regionalzüge des Typs "Integral" als Testfahrzeug zur Verfügung stellt (Foto).

Hoch automatisiertes Fahren: Ein Tastendruck genügt

Ein Tastendruck genügt

Per Tastendruck bestimmt der Fahrer den Grad der Automation. Unfälle im Straßenverkehr entstehen häufig durch Fehler von unaufmerksamen, überlasteten oder müden Fahrern. Die Zahl solcher Unfälle zu minimieren, war Aufgabe des EU-Projekts HAVEit (Highly Automated Vehicles for Intelligent Transport), an dem auch Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt waren.

Justage der Kühleinrichtung für einen Motor, der elektrische Energie erzeugt

Justage der Kühleinrichtung

Sven-Erik Pohl bei der Justage der Kühleinrichtung. Die Ingenieure des DLR-Instituts für Fahrzeugkonzepte in Stuttgart entwickeln einen neuen Motor, der mit unterschiedlichen Kraftstoffen betrieben werden kann, diese optimal verbrennt und in elektrische Energie wandelt. Im DLR-Institut bestehen ideale Möglichkeiten zur Erprobung dieses neuen Antriebs. Auf den Testständen können die Komponenten Verbrennung, Lineargenerator und Gasfeder mit der zugehörigen Steuerungselektronik einzeln verifiziert und dann zu einem Gesamtsystem zusammengefügt und getestet werden.

Das Auto von Morgen kommuniziert mit der Verkehrsinfrastruktur

Das Auto von Morgen kommuniziert mit der Verkehrsinfrastruktur

In einer Fahrdemonstration zeigte das DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik, wie ein autonom fahrendes Fahrzeug Informationen von Ampeln zur Geschwindigkeitsanpassung nutzen kann.

DLR-Standort Braunschweig - Institut für Verkehrssystemtechnik

Der dynamische Fahrsimulator des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik in Braunschweig.

Künstlerische Darstellung des NGT

Next Generation Train

Hinter dem Next Generation Train (NGT) verbergen sich wissenschaftliche Fragestellungen des Hochgeschwindigkeits-Schienenverkehrs aus den Bereichen Aerodynamik, Strukturdynamik, Fahrdynamik, Antriebe, Energiemanagement, Werkstoffwissenschaften und Leichtbau. Ziel ist die Entwicklung zulassungsfähiger Hochgeschwindigkeitszüge mit stark reduziertem spezifischem Energiebedarf sowie verbesserten Komfort- und Lärmeigenschaften.

Aufnahme von Verkehrslärm an einer Zugstrecke

Aufnahme von Verkehrslärm an einer Zugstrecke

Die eingespielten Verkehrsgeräusche wurden in Wohngebieten unter realistischen Bedingungen aufgenommen.

Links

  • DLR Nachrichten 118 - Sonderheft Verkehr
    (http://dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-618/1034_read-11052/)

Downloads

  • Verkehrsforschung im DLR (0,28 MB)
    (http://dlr.de/dlr/Portaldata/1/Resources/documents/20078_Prp_Verkehr_D_screen.pdf)