Jan Woerners Blog
 
 

Wenn einer eine Reise tut…

14. März 2013, 15.17, Jan Wörner, 1 Kommentar/e
Mein Job als Vorstandsvorsitzender des DLR bringt es mit sich, dass ich vergleichsweise viel reise. Um die verschiedenen Termine an verschiedenen Orten zu realisieren, ist eine entsprechende Reiseplanung erforderlich, die in den allermeisten Fällen durch die heute verfügbaren Reisemittel Auto, Bahn und Flugzeug auch umgesetzt werden kann. Es kann aber auch mal schiefgehen …

Der Tag - um genau zu sein der 12. März 2013 - begann harmlos, auch wenn ein paar Schneeflocken als Warnsignal vorhanden waren. Früh morgens machte ich mich auf den Weg zum Flughafen Frankfurt, um den Flug nach Berlin zu erreichen. Die verfügbare Zeit von eineinhalb Stunden sollte locker ausreichen, da die Strecke unter normalen Umständen in 20 Minuten zu bewältigen ist. Nicht so an diesem Tag: Der heftige Schneefall und eine Totalsperrung der Autobahn A5 Darmstadt – Frankfurt führten dazu, dass ich nach über einer Stunde nur wenige Kilometer zurückgelegt hatte und mich entschloss, den Heimweg anzutreten. Auch der dauerte eine weitere Stunde. Der nächste Flug war schon gestrichen. Bis zum Mittag entspannte sich die Situation keineswegs: Alle Flüge, darunter auch der urspünglich geplante Flug, wurden gecancelt, so dass ich meine Termine in Berlin, darunter auch die Sitzung der Vizepräsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, absagen musste.

Das Wetter in Deutschland am 12. März 2013. Bild: DLR.Nach ein wenig Diskussion entschied ich mich also, am Nachmittag mit dem Zug nach Köln zu fahren. Um den Zug zu erreichen, setzte ich mich gegen 15 Uhr erneut ins Auto und schaffte die 25 Kilometer bis zum Flughafen tatsächlich…in zwei Stunden. Der ICE hatte zunächst nur wenig Verspätung, hielt aber unterwegs zweimal für eine längere Zeit an, so dass eine weitere Verzögerung von 40 Minuten entstand. Ab Siegburg ging es dann im Auto weiter - in Richtung Paris. Bei schneebedeckter Straße begann die Fahrt. In Belgien wurden die Straßenverhältnisse zunächst besser, so dass Hoffnung aufkeimte, kurz nach Mitternacht Paris zu erreichen. Weit gefehlt, kurz hinter der belgisch-französischen Grenzen kamen wir in einen Stau, der uns für Stunden fest im Griff hielt. Die Radionachrichten machten wenig Hoffnung auf eine rasche Lösung, der anfangs gemachte Witz: „Hoffentlich sind wir zum Frühstück in Paris“ wurde langsam bitterer Ernst… Um 6:15 erreichten wir endlich das Hotel, um zumindest für 45 Minuten in einen kurzen Schlaf zu fallen.

Was ist die Konsequenz dieser Reise? Großzügiger planen? Weniger reisen?

In meiner Position muss die Antwort lauten: Wir müssen die Systeme robuster gestalten, so dass nicht erwartbare Umstände wie Schnee, Regen, Wind, Kälte oder Wärme aus einer guten Planung ohne Ankündigung einen chaotischen Zustand erzeugen. Diese Konsequenz betrifft alle Forschungsbereiche des DLR: Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr und das Querschnittsthema Sicherheit!

Bild oben: Schneechaos im Rhein-Main-Gebiet. Quelle: Jürgen Mahnke, CC-BY-NC-ND, via Flickr.

Bild unten rechts: Das Wetter in Deutschland am 12. März 2013. Quelle: DLR EOC.


Kommentare
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  • Von Wolfgang Steinborn am 10.04.2013
    Zuallererst würde eine verbesserte Information schon viel helfen. Dies ist mit weit weniger Aufwand zu realisieren als robuste Verkehrssysteme (alles im Tunnel oder so), aber schon daran scheitern wir. Es gibt erst vereinzelte Ansätze integrierter Verkehrs-Geo-Information, wie z.B. vom Fraunhofer-Institut Dresden entwickelt, die wirklich die aktuelle integrierte Situation aller Verkehrsträger präsent hat. Denn oft könnte man ja verspätete Züge oder Flieger erreichen, wenn die Info da wäre.