Besuch auf der Farnborough Airshow

Neben der ILA in Berlin und Le Bourget in Paris ist die zur Zeit stattfindende Farnborough Airshow die dritte große Leistungsshow der Luft- und Raumfahrt in Europa. Mein erstmaliger Besuch dieser Veranstaltung galt entsprechend auch beiden Themen gleichermaßen. Anreise, Zugang und Zeitplan waren umfassende Herausforderungen, die zu meistern ein Vergnügen mit Ecken und Kanten war.

Am Abend des 9. Juli fand in der Landesvertretung des Bundeslandes Baden-Württemberg in Brüssel ein Veranstaltung zum Thema nachhaltige Raumfahrt und Energie statt, bei der ich die Ehre hatte, einen Impulsvortrag zu halten. Am frühen Morgen des 10. Juli fuhren wir dann mit dem Eurostar durch den Tunnel nach London ... mit viermal Umsteigen erreichten wir das Messegelände deutlich vor der geplanten Zeit. Wenig später brachte ein Problem den Zeitplan ins Schwanken: Mein Laserpointer gefiel der Sicherheitskontrolleurin nicht. Man rief nach einem Spezialisten, der auch nach zwanzig Minuten noch nicht erschien. Also informierte ich David Williams, den Chef der britischen Raumfahrtagentur, mit dem ich den ersten Termin hatte. Erst nach einem längeren Telefongespräch zwischen David und der Sicherheitsdame konnte er sie von meiner Ungefährlichkeit überzeugen. Durch diesen Vorgang waren alle weiteren Termin in Zeitnot geraten.

Neben Einzelgesprächen nahm ich an der Vollversammlung von ACARE teil und wurde zum VizeChair gewählt. Im Rahmen des Messebesuchs traf ich den britischen Minister für Universitäten und Wissenschaft David Willets sowie den italienischen Minister Francesco Profumo, die beide ihr Interesse an engeren Kontakten zu Deutschland bekundeten. Nach einem terminvollen Tag ging es dann mit Bahn und Bus zum Flughafen Heathrow, um den Heimflug anzutreten.

Auch wenn diese Besuche von Messen im Einzelnen immer sehr anstrengend sind, so zeigt sich im Nachhinein immer wieder, dass auch die kurzen Kontakte ohne tiefgreifende Diskussionen oder handfeste Vereinbarungen für die Zusammenarbeit hilfreich sind, da man auf der persönlichen Ebene Verbindungen etabliert und festigt, die bei allfälligen Diskussionen helfen können.

Bild: Ausstellung Farnborough Airshow, Quelle: ESA/S. Corvaja.

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Über den Autor

Im Jan-Wörner-Blog bloggt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich "Jan" Wörner, selbst - kein Schwindel! Seit dem 01. März 2007 ist er Vorsitzender des Vorstandes des DLR. zur Autorenseite

Kommentare

3 Kommentare
Edmund Meyer
11. Juli 2012 um 14:44 Uhr

Ein Wahnsinn ihr Programm ich hatte schon mehrmals das vergnügen sie in morgenröthe zu höhren es war immer seh interessant . Ich freue mich jetzt schon auf die ila in Berlin.

Benjamin
12. Juli 2012 um 11:35 Uhr

Guten Morgen Herr Wörner,
haben Sie zufällig die Vorstellung der UK Civil Space Strategy mitbekommen in Farnborough?
Falls ja, was halten Sie davon und wie hat Herr David Linsay Willetts (Minister of State for Universities and Science) das Ganze verkauft und vorgestellt?
Folgen die Engländer unserem Beispiel einer Deutschen Raumfahrtstrategie und denken Sie, dass durch diese Stratgie und Richtungsweisung in England ein größerer Space Konkurrent für Deutschland in den Bereichen Sat-Kommuniktation und Erdbeobachtung etc "demnächst" heranwächst?

UK Civil Space Strategy pdf und Bericht:
http://www.bis.gov.uk/ukspaceagency/news-and-events/2012/Jul/mapping-out-growth-in-the-uk-space-sector-uk-space-agency-publishes-civil-space-strategy

Diese Fragen würden mich sehr interessieren.

Schöne Grüße

Jan Wörner (DLR)
16. Juli 2012 um 11:06 Uhr

Ich hatte in Farnborough auch die Gelegenheit, mit dem für Raumfahrt zuständigen britischen Minister Willetts zu sprechen. Ähnlich wie Deutschland hat UK eine Raumfahrtstrategie, die im Übrigen nicht neu ist, sondern lediglich überarbeitet wurde. Deutschland und UK verfolgen politisch sehr ähnliche Ziele. Unsere beiden Länder betreiben Raumfahrt, um gesellschaftliche Herausforderungen besser meistern zu können, also zum Wohle der Bürger, wobei aber die wissenschaftlichen und industriellen Strukturen und Schwerpunkte in Deutschland und UK historisch bedingt unterschiedlich gelagert sind. Eben das ist die Chance in Europa und in der seit über 40 Jahren erfolgreich durchgeführten europäischen Raumfahrt: Konstruktiver Wettbewerb in kommerziellen Belangen, etwa in der Satellitenkommunikation, Kooperation bei wissenschaftlich und technologisch anspruchsvollen Programmen, etwa in der Weltraumforschung. So gewinnen wir Synergien und einen kreativen Ideenaustausch. In der Raumfahrt hat Europa so gemeinsam mehr geschafft, als jeder einzelne Staat hätte alleine erreichen können. Um das weitere Vorgehen in dieser Partnerschaft weiter zu entwickeln, treffen wir uns dieses Jahr im November wieder auf einer ESA-Ministerratskonferenz. Ich bin zuversichtlich, dass hier für alle Partner gute Programmentscheidungen getroffen werden, auch wenn es bis dahin noch ein gutes Stück Arbeit ist.

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